Arbeitsrecht Strafrecht Familienrecht Sozialrecht Mietrecht Publikationen Photos Anfahrt Home Impressum Datenschutz
Dr. jur. Thomas Schwarze, Rechtsanwalt - Fachanwalt für Arbeitsrecht, Strafrecht und Sozialrecht

Arbeitsrecht

  Abfindung Aufhebungsvertrag Kündigung Mobbing Zeugniscodes

Zeugnisse verbergen häufig verschlüsselte Angaben. Rund 12000 Prozesse werden jährlich an deutschen Arbeitsgerichten geführt, in denen es um die Erteilung oder Berichtigung von Arbeitszeugnissen geht. Diese Zahl zeugt von dem Sprengstoff, den die Trennung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer bergen kann. Nach § 630 BGB hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Das Zeugnis soll "wohlwollend" formuliert sein, um das berufliche Fortkommen des Mitarbeiters nicht zu erschweren. Zugleich soll es aber auch der Wahrheit entsprechen, was den Arbeitgeber in Konflikte stürzt, wenn er mit den Leistungen des Arbeitnehmers nicht zufrieden war.
Gewählt werden dann entweder bewußt schwammige Formulierungen, die juristisch nicht angreifbar sind, oder heikle Punkte werden von vornherein ausgelassen. Ungesagtes kann dann wichtiger als erwähntes sein, sog. Leerstellen-Technik: Wichtige berufs-spezifische Aussagen fehlen: z.B. bei einer Kassiererin oder Buchhalterin der ausdrückliche Hinweis auf ihre Ehrlichkeit, bei Führungskräften die Bestätigung der Loyalität.

62 Prozent der Arbeitnehmer halten ihre Arbeitszeugnisse für besser als sie sind. Denn Zeugnissprache ist verwirrend, was sich vielversprechend anhört, meint allzuoft das genaue Gegenteil: "Die Zusammenarbeit lief ohne Beanstandungen = aber nicht sehr angenehm."

Grundsätzlich ist ein Zeugnis qualitativ umso höher einzustufen, je individueller und ausführlicher es formuliert ist. Üblich ist eine Aufgabenbeschreibung des Mitarbeiters, eine Beurteilung der erbrachten Leistungen und der gezeigten Einsatzbereitschaft. Auch sollte darauf eingegangen werden, wie sich der Arbeitnehmer gegenüber Kollegen und Vorgesetzten verhalten hat. Als Schlußsatz sind Angaben über den Grund des Ausscheidens, eine Dankesformel und Zukunftswünsche üblich.

Zu den formalen Standards gehört, daß für das Zeugnis Geschäftspapier verwendet wird, daß es maschinegeschrieben und frei von Knicken, Korrekturen und Schreibfehlern ist.
Unzulässig sind Angaben zum Gehalt, Gewerkschaftszugehörigkeit, Betriebsratstätigkeit, evtl. Vorstrafen und Abmahnungen, Krankheiten, Fehlzeiten, religiösem Engagement oder Behinderungen.
Im Text darf nichts unterstrichen, kursiv oder fett gedruckt sein.
Eine hervorgehobene Telefonnummer oder Unterschrift mit rotem Kugelschreiber gilt als typisches Geheimzeichen, daß ein Arbeitgeber bereit ist, telefonisch vom Zeugnis abweichende Auskünfte zu erteilen.

Geheimcodes in Zeugnissen nach LAG Hamm (Urteil vom 13. 2. 1992, LAGE 630 BGB Nr. 16):
Er hat die ihm übertragenen Aufgaben:
  1. Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt = sehr gute Leistungen
  2. Stets zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt = gute Leistungen
  3. Zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt = vollbefriedigende Leistungen
  4. Stets zu unserer Zufriedenheit erledigt = befriedigende Leistungen
  5. Zu unserer Zufriedenheit erledigt = ausreichende Leistungen
  6. Im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt = mangelhafte Leistungen
  7. Zu unserer Zufriedenheit zu erledigen versucht = unzureichende Leistungen
Zeugnismuster: Beurteilung bei sehr guten Leitungen
Herr X war ein äußerst fleißiger Mitarbeiter. Mit der Güte seiner Arbeitsergebnisse waren wir jederzeit überaus zufrieden. Seine Aufgaben führte er außerordentlich sorgfältig, zuverlässig und rationell aus. Darüber hinaus zeichnete er sich durch überdurchschnittliche Auffassungsgabe, Belastbarkeit, Vielseitigkeit und Initiative aus. Herr X war an allen geschäftlichen Vorgängen sehr stark interessiert und arbeitete völlig selbstständig. Insgesamt hat er die ihm übertragenen Aufgaben jederzeit zu unserer vollsten Zufriedenheit erledigt.

Aufgrund seines immer freundlichen Wesens und seiner ständigen Bereitschaft zur Zusammenarbeit war er überall besonders beliebt. Seine Führung und sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten war in jeder Beziehung vorbildlich.

Wir bedauern außerordentlich, diesen hervorragenden Mitarbeiter zu verlieren und können ihn jederzeit bestens empfehlen. Für seinen weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir ihm alles Gute.

Zeugnismuster: Beurteilung mangelhafter Leistungen
Herr X war bestrebt, seine Aufgaben rechtzeitig zu erfüllen. Er hat sich auch bemüht, die erforderliche Güte seiner Arbeitsergebnisse zu gewährleisten. Seine Aufgaben versuchte er sorgfältig und zuverlässig auszuführen. Sein Arbeitseinsatz war ausreichend. Die ihm übertragenen Aufgaben hat er im großen und ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt.

Seine Führung und sein Verhalten gegenüber vorgesetzten Mitarbeitern waren in der Regel nicht zu beanstanden.

Wir können unseren Dank für die stets gegebene Arbeitsbereitschaft nicht versagen und bedanken uns für das stete Interesse an einer guten Zusammenarbeit.